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Grevenbroich, Germany
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Erdbebenisolationsbemessung in Grevenbroich – Laborgeprüfte Systeme für flüssigkeitsgefährdete Böden

Der sechsgeschossige Wohnkomplex an der Montanusstraße wurde auf einem Auelehm-Polster geplant – direkt über dem tertiären Sandhorizont, den jeder Tiefbauer im Rheinischen Revier kennt. Der Bauherr wollte eine konventionelle Bodenplatte. Nach der ersten Baugrunduntersuchung mit Sondierbohrungen und CPT-Sondierung zeigte sich die ganze Misere: weiche bindige Deckschichten auf locker gelagerten Sanden, Grundwasser ab 2,40 m unter GOK. Die Erdbebenisolationsbemessung musste das gesamte Antwortspektrum für die Ersatzlasten nach DIN EN 1998-1 berücksichtigen. Unsere Aufgabe war klar: ein Isolationssystem auswählen, das die Horizontalverschiebungen aufnimmt, ohne dass die Lager bei einem Bemessungsbeben durchschlagen. In Grevenbroich mit seiner bergbaubedingten Mikroseismizität und den weichen Quartärablagerungen ist die Erdbebenisolationsbemessung kein Zusatzauftrag, sondern eine zwingende Maßnahme für jedes Bauwerk mit Bedeutungskategorie III oder höher.

Ein richtig dimensioniertes Erdbebenisolationssystem verschiebt die Eigenperiode des Bauwerks auf über 2 Sekunden – dort, wo das Antwortspektrum kaum noch Energie liefert.

Ablauf und Umfang

Die Erdbebenisolationsbemessung in Grevenbroich stützt sich auf das nationale deutsche Regelwerk: DIN EN 1998-1 (Eurocode 8, Teil 1) in Verbindung mit DIN EN 15129 für Erdbebenisolatoren. Die örtliche Situation ist speziell. Grevenbroich liegt nicht in der Erdbebenzone 3 wie das Oberrheingraben, aber die Bodenverhältnisse sind verheerend. Lockere quartäre Sedimente der Erftaue, organische Einschlüsse aus alten Flussarmen. Bei einem Erdbeben der Magnitude 5,5 – was statistisch alle 400 Jahre in der Niederrheinischen Bucht möglich ist – tritt in diesen Böden Porenwasserüberdruck auf. Die Folge: Verflüssigung und schlagartiger Tragfähigkeitsverlust. Genau hier setzt die Bemessung des Isolationssystems an. Wir dimensionieren die Lager so, dass die Eigenperiode des Bauwerks oberhalb von 2 Sekunden liegt. Die Erdbebenenergie wird entkoppelt, nicht verstärkt. Zusätzlich kontrollieren wir über Triaxialversuche die dynamischen Bodeneigenschaften direkt unter der Gründungsebene. Nur wenn Schermodul und Dämpfung bekannt sind, kann die Isolatorverschiebung zuverlässig berechnet werden.
Erdbebenisolationsbemessung in Grevenbroich – Laborgeprüfte Systeme für flüssigkeitsgefährdete Böden

Örtliche Baugrundfaktoren

Der klassische Fehler in Grevenbroich ist die Verwechslung von Erdbebenisolation mit simpler Schwingungsdämpfung. Ein Ingenieurbüro ordnet Elastomerstreifen unter der Bodenplatte an und nennt das Erdbebenisolationsbemessung. Das ist keine. Ein Erdbebenisolator muss horizontale Verschiebungen von mehr als 200 mm aufnehmen, sich selbst zentrieren und eine definierte hysteretische Dämpfung liefern. Wird das ignoriert, wandert das Gebäude bei einem Starkbeben in den weichen Auelehm und kippt. Wir erleben regelmäßig, dass Bauherren die Baugrubenüberwachung für die Baugrube bestellen, aber die Isolationsbemessung erst nach der Rohbauphase anfragen. Dann ist es zu spät. Die Schnittstelle zwischen Isolator und aufgehendem Bauwerk muss bereits in der Entwurfsphase definiert sein. Die Ankerplatte, die Horizontalverschiebung, die Leitungsdurchführungen – alles muss auf das maximale Bemessungsbeben ausgelegt werden.

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Referenznormen

DIN EN 1998-1:2010 (Eurocode 8 – Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben), DIN EN 15129:2018 (Erdbebenisolatoren), DIN 4149:2005 (Bauten in deutschen Erdbebengebieten – zurückgezogen, aber für Bestandsbauwerke noch relevant), DIN EN ISO 22762 (Elastomerlager)

Zugehörige Fachleistungen

01

Standorterkundung und Baugrundmodell

Baugrunderkundung mit Sondierungen und Laborversuchen. Ermittlung von Scherwellengeschwindigkeit, Schermodul und Dämpfungskurven für die spezifischen quartären Sedimente in Grevenbroich. Aufbau des Baugrundmodells für die numerische Berechnung.

02

Bemessung und Spezifikation der Isolatoren

Festlegung der Lagerabmessungen, der Verschiebekapazität und des Dämpfungsgrads. Erstellung der Leistungsspezifikation nach DIN EN 15129, Abschnitt 6. Berücksichtigung der lokalen Seismizität und der bodenmechanischen Besonderheiten der Erftaue.

03

Prototypenprüfung und Werkskontrolle

Dynamische Prüfung von zwei Isolatoren pro Los im Labor. Aufbringung der vollen Vertikallast und sinusförmiger Horizontalverschiebung mit 0,5 Hz. Messung der effektiven Steifigkeit und der äquivalenten Dämpfung. Vergleich mit den Bemessungswerten.

Typische Parameter

ParameterTypischer Wert
Bemessungsnorm IsolatorenDIN EN 15129:2018
BemessungsspektrumDIN EN 1998-1 (Eurocode 8)
Lagerarten geprüftElastomerlager, Gleitpendellager
Maximale Vertikallast12 MN pro Isolator
Verschiebekapazität±400 mm (selbstzentrierend)
Dämpfungsgrad äquivalent15 % bis 30 %
Prüffrequenz dynamisch0,1 Hz bis 2,0 Hz
Laborkapazität2 Isolatoren parallel

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Grevenbroich und Umgebung.

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