Grevenbroich ist eine Stadt, die auf dem Wasser gebaut wurde – nicht nur an der Erft, sondern auch auf einem komplexen Untergrund aus quartären Kiesen und tertiären Feinsanden. Die Bergbauvergangenheit des Rheinischen Reviers hat das Grundwasserregime hier nachhaltig verändert. Wer im Stadtgebiet von Grevenbroich ein Bauwerk errichtet, muss mit stark schwankenden Grundwasserständen und teils gespannten Aquiferen rechnen. Ein pauschaler Erfahrungswert für die Durchlässigkeit reicht hier nicht aus. Mit dem Felddurchlässigkeitsversuch nach Lefranc und Lugeon ermitteln wir direkt am Bohrloch den tatsächlichen kf-Wert – eine Grundvoraussetzung für jede belastbare Wasserhaltungsplanung und die Dimensionierung von Versickerungsanlagen gemäß DWA-A 138.
Der kf-Wert aus dem Feldversuch ist für die Wasserhaltung das, was der Baugrundgutachter für die Statik ist: unverzichtbar.
Ablauf und Umfang
Örtliche Baugrundfaktoren
Ein klassischer Fehler in Grevenbroich ist, den kf-Wert nur aus der Bodenansprache oder regionalen Karten abzuleiten. Der Untergrund ist hier durch Bergsenkungen und künstliche Geländeauffüllungen so stark überprägt, dass tabellierte Werte oft um eine Zehnerpotenz danebenliegen. Wenn der Auftragnehmer dann die Wasserhaltung mit zu optimistischen kf-Werten dimensioniert, läuft die Baugrube bei der ersten Niederschlagsperiode voll – die Kosten für Notpumpen und Bauzeitverzug übersteigen den Preis des Felddurchlässigkeitsversuchs um ein Vielfaches. Auch bei der Planung von Regenrückhaltebecken oder Rigolen unter Stellplätzen kann ein zu hoher angesetzter kf-Wert dazu führen, dass die Versickerung nicht funktioniert und das Niederschlagswasser aufwendig gedrosselt in die Vorflut abgegeben werden muss.
Referenznormen
DIN EN ISO 22282-2:2012-09 – Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Felduntersuchungen – Teil 2: Versickerungsversuch im Bohrloch (Lefranc), DIN EN ISO 22282-3:2012-09 – Felduntersuchungen – Teil 3: Wasserdruckversuch im Bohrloch (Lugeon), DWA-A 138 – Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser, DIN 4094-2 – Baugrund – Felduntersuchungen – Teil 2: Bohrlochaufweitungsversuch
Zugehörige Fachleistungen
Lefranc-Versuch im Lockergestein
Ausführung mit konstanter oder fallender Druckhöhe im Kleinbohrloch (ø 100–200 mm). Wir setzen den Filterstreifen exakt in dem Horizont, der für die Bemessung relevant ist – typisch 2 m unter geplanter Rigolensohle oder Baugrubentiefe.
Lugeon-Test im Fels
Wasserdruckversuch mit Doppelpacker im gekernten Bohrloch. Fünf Druckstufen, Aufzeichnung der Injizierten Wassermenge pro Minute. Auswertung als Lugeon-Wert (LU) und Umrechnung in kf. Erforderlich bei Klüftung und verwittertem Gebirge.
Kombinationspaket Wasserhaltung
Zusammenstellung von Lefranc-Versuchen, Kornverteilung und Grundwassermessstellen. Daraus leiten wir den erforderlichen Pumpbedarf und die zulässige Absenktiefe ab – direkt verwertbar für das Wasserhaltungskonzept nach Baugrubennorm DIN 4123.
Typische Parameter
Fragen und Antworten
Was kostet ein Lefranc-Versuch in Grevenbroich?
Die Kosten für einen einzelnen Lefranc-Versuch in Grevenbroich liegen typischerweise zwischen €650 und €920. Der genaue Preis hängt von der Bohrtiefe, dem erforderlichen Bohrverfahren und der Anzahl der Prüfabschnitte ab. Im Paket mit mehreren Tests und einem Gesamtgutachten lassen sich die Kosten pro Versuch reduzieren. Wir erstellen Ihnen ein Festpreisangebot nach Vorgabe der HOAI, Leistungsphase 2.
Wann brauche ich einen Lugeon- und wann einen Lefranc-Versuch?
Den Lefranc-Versuch setzen wir im Lockergestein ein – also in Sanden, Kiesen und Schluffen, wie sie in weiten Teilen des Grevenbroicher Stadtgebiets anstehen. Der Lugeon-Test ist die richtige Wahl, sobald das Bohrloch auf klüftigem Fels steht, etwa im Übergang zu den älteren devonischen Schiefern in tieferen Lagen südlich der Stadt. Entscheidend ist die Bohrkernansprache vor Ort.
Wie viele Versuche sind für die Versickerungsbemessung nötig?
Die DWA-A 138 fordert einen standortspezifischen kf-Wert. Für ein Einfamilienhaus-Grundstück reicht oft ein Lefranc-Versuch im Bereich der geplanten Rigolensohle. Bei größeren Gewerbeflächen oder heterogenem Untergrund – wie im Umfeld der ehemaligen Tagebaukanten in Grevenbroich – empfehlen wir mindestens drei Versuche, verteilt über die Baufläche und in unterschiedlichen Tiefen. Mehr Info.
